Reisebericht Christin Dietrich

Christin Dietrich hat im März 2017 ein dreiwöchiges Praktikum im Waisenhaus absolviert.
Bagus - ein indonesisches Wort mit vielen Bedeutungen. Wunderbar, gut, schön, nett, toll... ich glaube man kann es für alles „Großartige“ verwenden. Und genauso möchte ich meinen Aufenthalt im Waisenhaus Anak Domba Bali e.V. beschreiben.

Erstens, ich studiere Sonderpädagogik/Lehramt und musste ein Praktikum absolvieren. Zweitens habe ich über Freunde von dem Waisenhaus erfahren und fand das ganze Projekt einfach nur großartig - meine Gedanken: „Ich muss dahin!“ Sofort habe ich einen Plan geschmiedet und diesen, mit Hilfe vieler lieber Menschen, umsetzen können.

Unglaublich, aber hier bin ich nun!

Nach meiner 23-stündigen Reise bin ich endlich auf Bali angekommen. Ich konnte es kaum erwarten Eny und Wayan persönlich kennenzulernen. Durch den Kontakt, den ich bereits einige Monate zuvor mit Eny hatte, wusste ich, dass ich gleich zwei wunderbaren Menschen gegenübertreten werde. Natürlich war ich auch etwas aufgeregt, da wir uns auf diesem Flughafen erst einmal „finden“ mussten und ich nicht genau wusste, wie ich die beiden zu begrüßen habe. Als wir uns gegenseitig entdeckt haben, kam Eny schnellen Schrittes, mit ausgestreckten Armen und einem freundlichen Lächeln auf mich zu. Ihr folgten Wayan und ihre beiden Jungs Noah und Phillip. Tja, da hat sich die Grübelei über die Begrüßung auch erledigt. Wir umarmten uns, als würden wir uns schon lange kennen. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Da es schon spät war und wir noch eine längere Autofahrt vor uns hatten, machten wir uns direkt auf den Weg nach Singaraja. Nach knapp vier Stunden erreichten wir meine
Unterkunft.

Am nächsten Tag war es soweit: Voller Vorfreude und vollgepackt mit meinen Mitbringseln stieg ich in das Auto von Wayan und Eny. Als wir auf den Hof des Waisenhauses fuhren, hupte Wayan laut und ich hörte bereits, wie die Kinder lachend und jubelnd auf uns zu rannten. Ich stieg aus dem Auto und schaute in große strahlende Kinderaugen. Sie redeten alle durcheinander und wollten mir alle die Hand geben. Sie stellten sich nacheinander mit ihrem Namen vor und führten meine Hand, nach indonesischer Tradition, an ihre Stirn. Dies war zunächst eher befremdlich, da ich natürlich das „kräftige Händeschütteln“ gewohnt bin. Dieses wiederum, so kam es mir vor, irritierte aber die Kinder, da sie so meine Hand nicht an ihre Stirn führen konnten. Naja, nach den ersten Malen hatte ich den Dreh dann raus;-). Gemeinsam gingen wir dann zur „Veranda“, sozusagen dem Kernstück des Waisenhauses, wo mehr oder weniger alles stattfindet. Dort boten Eny und Wayan mir einen Sitzplatz an. Ich setzte mich an den Tisch, während die Kinder sich im Schneidersitz auf den Fußboden setzten. Sie tuschelten untereinander und lächelten mich die ganze Zeit an. Nun begann, ich möchte fast meinen, eine „Begrüßungs- und Vorstellungszeremonie“. Nacheinander traten die Kinder vor den Tisch und stellten sich mir auf Englisch vor. Und dann kam das Schönste: Sie haben für mich gesungen, erst nur die Mädchen, dann nur die Jungen, dann verschiedene Konstellationen, Solos – ich war hin und weg. Ich habe aufgrund der Sprache nicht ein Wort  verstehen können, aber die Art und Weise wie sie sangen, zeigte mir, dass sie dieses mit viel Emotionen und Leidenschaft tun. Es berührte mich sehr und in dem Moment war ich einfach nur dankbar, dass ich an diesem Ort sein durfte und die Menschen näher kennenlernen konnte.

Danach durfte ich endlich meine Geschenke verteilen. Die Kids haben meinen vollen Rucksack und die Tüten schon längst entdeckt und waren auch froh, dass die „Bescherung“ nun endlich losging. Süßigkeiten, Stifte, Armbänder, Kreide, Bücher und ein Badmintonset wurden über den ganzen Tisch ausgebreitet. Alles wurde auf Fotos festgehalten, Eny ist eine leidenschaftliche Fotografin ;-). Auch die Geschenkevergabe wurde zelebriert, da ich jedem Kind einzeln die Geschenke überreichen sollte und Eny ein Foto schoss.

Nach der fröhlichen und stimmungsvollen Begrüßung zeigte Eny mir das Haus und den Garten. Das Grundstück ist richtig schön und groß, umgeben von Papaya- und Mangobäumen und Massen an Bananenstauden. Die Kinder haben viel Platz zum Toben und Spielen. Im Haus ist es überschaulich. Eny und Wayan teilen sich mit ihren eigenen zwei Kindern ein kleines Zimmer mit einem Bett und ein paar Schränken, es ist der einzige Rückzugsort für die Familie. Die vier Mädchen teilen sich ein Zimmer und eine Matratze. Die Jungen sind in ein dreier und ein vierer Zimmer aufgeteilt, sie schlafen in Etagenbetten. Außer ein paar Kommoden sind die Zimmer leer. Keine Klimaanlage und keine Moskitonetze. Obwohl ich im Vorfeld bereits eine Vorstellung der Gegebenheiten vor Ort hatte, war der erste Eindruck dennoch bedrückend. Schaute ich aber in die funkelnden Kinderaugen, die mich umgaben, wurde mir dieser genommen. Die Kinder waren glücklich und zufrieden, sie zeigten mir ihre Schlafplätze und strahlten dabei über das ganze Gesicht.

Den Rest des Tages unterhielten Eny, Wayan und ich uns sehr viel und lernten uns besser kennen. Wir aßen alle gemeinsam zu Abend und beendeten damit den ersten Tag. Meine „Arbeitstage“ im Waisenhaus begannen meistens um 11 Uhr, da die Kinder erst dann aus der Schule kamen. Sonntags starteten wir den Tag gemeinsam um 9 Uhr im Gottesdienst von Wayan. Eigentlich ein Gottesdienst, wie wir ihn kennen, nur mit einem großen Unterschied: der Gesang. Es wurde so lebhaft, kraftvoll und wunderschön gesungen, dass ich permanent eine Gänsehaut hatte. Damit ich einen kleinen Teil des Gottesdienstes verstehen konnte, hielt Wayan seine Predigt zweisprachig. 
Die Kids und ich lernten uns von Tag zu Tag besser kennen und wir wurden richtig „warm“ miteinander. Zu Beginn traute sich keiner wirklich mich auf Englisch anzusprechen, doch nach und nach fiel die

Scheu und wenn es mit der Sprache nicht funktionierte, verständigten wir uns eben mit Händen und Füßen. Wir hatten immer viel zu Lachen. Nach der Schule saßen wir gemeinsam an den Hausaufgaben, ich konnte zwar aufgrund der Sprachbarriere oft nur wenig helfen, aber ich war einfach immer und überall dabei - oder da wo ich war, waren auch die Kids, einfach unzertrennlich. Wir malten und zeichneten zusammen, verschönerten den Hof bunt mit Kreide, spielten Badminton, Volleyball und Basketball –
bei der Hitze eine schweißtreibende Angelegenheit für alle, puhhh! – und hatten einfach super viel Spaß. Zwischendurch war auch immer Zeit für Gesang und Tanz. Ich hatte mir vorgenommen den Kindern das englische Lied „If you happy and you know it clap your hands“ beizubringen. Dieses übten wir stundenlang. Auch vor jedem Englischunterricht, den ich den Kids gab. Eny war immer an unserer Seite, da sie unsere Übersetzerin war, denn nicht alle Worte sind mit Händen und Füßen zu erklären. Und etwas Falsches wollte ich natürlich auch nicht lehren. Farha, ein Mitarbeiter des Waisenhauses, war auch immer mit dabei und hat geholfen. Wir waren ein super Team und hatten immer einen Grund zum Lachen.

Ich könnte noch viel mehr berichten, doch bei den ganzen wunderbaren Erfahrungen und Erlebnissen käme ich nie zum Ende. Was leider zwangsläufig zu Ende ging, war mein Aufenthalt. Der letzte Tag rückte immer näher und ich wusste, dass es mich emotional berühren wird. An meinem vorletzten Tag wollten mich die Kinder nicht ins Autos steigen lassen, sie hielten mich fest und riefen „No, Christin, I love you“. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass ich den übernächsten Tag nochmal wiederkomme, um mich richtig zu verabschieden. Als ich im Auto saß und Wayan losfuhr, liefen sie uns hinterher. In diesem Moment wurde mir nochmals bewusst, wie sehr ich die Kinder in mein Herz geschlossen habe und wie schwer mir der Abschied fallen wird. Ich bin unglaublich froh, all die wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben und bin beeindruckt von der ganzen Liebe, die im Waisenhaus spürbar ist. Ich erinnere mich an ein  sehr persönliches Gespräch, in dem Wayan sagte, dass sie nicht mehr nur zwei Kinder haben, sondern 13 Kinder. Und genau das habe ich erlebt - eine große Familie.

Der Abschiedstag war gekommen. Ich saß auf dem Roller und fuhr die Strecke zum letzten Mal. Als ich auf den Hof einbog sprangen die Kinder von der Treppe auf, riefen meinen Namen und liefen auf mich zu. Sie klammerten sich an meine Hände und Arme. Zusammen gingen wir auf die Veranda. Mir fiel sofort auf, dass die Mädels sich schick gemacht haben und die Jungs die T-Shirts trugen, die ich ihnen in der ersten Woche geschenkt habe. Auch an diesem Tag kam ich mit vollen Händen, meine Abschiedsgeschenke, für die nicht nur ich, sondern meine ganze Familie, meine beste Freundin und die Arbeitskolleginnen meiner Schwester gespendet haben. Es war ein sehr emotionaler, liebevoller und gesangsreicher Abschied, der uns alle zu Tränen rührte. Nach unzähligen Umarmungen waren wir uns alle einig, dass wir uns wiedersehen wollen und verabschiedeten uns mit wunderbaren Worten und einem simplen: „See you again at the new house!“







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